Geplante Stromtrasse durch Franken sorgt für Streit

Um Strom großer Windparks aus dem Norden und Osten zu den Inustriezentren nach Franken in den Süden zu bringen, müssen neue Stromtrassen errichtet werden. Politiker ärgern sich über aktuelle Planungen. Sie fordern vor allem Unterstützung für eigene Energiekonzepte.

 

Die Pläne für den Verlauf einer Starkstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Schwaben sorgen in Franken für große Aufregung. „Hier werden wir Fragen stellen“, kündigte der Wunsiedler Landrat Karl Döhler von der CSU an. Im Landkreis Wunsiedel gebe es vielfältige Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien. Statt einer Trasse ohne Einspeisemöglichkeit durch die Region, erscheine ihm eine Verknüpfung der Trassenpläne mit den lokalen Energiegewinnungsmöglichkeiten sinnvoll.

 

Politik und Bund Naturschutz setzen auf dezentrale Energiegewinnung

Die vom Netzbetreiber Amprion favorisierte Trasse orientiert sich weitgehend am Verlauf der A9 und soll dann in Richtung Marktredwitz im Landkreis Wunsiedel einen weiten Bogen weg von der Autobahn machen und dann  Mittelfranken erreichen. Bürgermeister Manfred Porsch der Gemeinde Speichersdorf kann die Pläne nicht nachvollziehen. Er wundere sich, dass eine Erdverkabelung gerade in der Nähe von Wohngebieten kein Thema sei. Armin Kroder, Landrat des Kreises Nürnberger Land, äußerte sich ebenfalls. „Die Stromautobahn ist unnötig, wenn wir die Energiewende vor Ort schaffen“, so Kroder. „Für regional erzeugte regenerative Energien braucht man keine riesigen Stromautobahnen, unser leistungsfähiges Netz reicht dann aus.“ Herbert Barthel vom Bund Naturschutz sieht die Situation ähnlich. Die Trassenpläne stünden für ein zentrales Energiekonzept, sagte er. Der Bund Naturschutz stünde für dezentrale Energiegewinnung in den Regionen.

 

Informationspolitik von Amprion in der Kritik

Rund 450 Kilometer lang soll die Trasse werden. Eigenen Angaben zu Folge werden sich die Kosten auf etwa eine Milliarde Euro belaufen. Im Jahr 2022 soll die Leitung dann ihren Betrieb aufnehmen. Die jetzigen Planungen des Unternehmens werden zunächst von der Bundesnetzagentur geprüft. Neben der nun vorgestellten Vorzugstrasse gibt es noch Alternativvorschläge, etwa durch die Oberpfalz. Erst in einem weiteren Schritt wird festgelegt, welche Variante genauer betrachtet und untersucht wird. Doch der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk und seine Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer von der CSU kritisierten die Informationspolitik des Unternehmens. Bis heute hätten Abgeordnete und Bürgermeister keine detaillierten Unterlagen in Händen. Für Ende Januar hat Amprion Informationsveranstaltungen unter anderem in Kulmbach und Nürnberg angekündigt.