Platzverlosung im NSU-Prozess sorgt für Kritik

Glückliche Gewinner auf der einen Seite, empörte Verlierer auf der anderen: Bei der Verlosung der Presseplätze im NSU-Prozess sind jetzt die Karten neu gemischt worden. Die türkische Zeitung „Sabah“ kommt diesmal zum Zug, mehrere große deutsche Zeitungen wie die „FAZ“, die „Zeit“ und die „taz“ hatten hingegen kein Glück. Neuer Streit ist jetzt vorprogrammiert.

Gerichtspräsident Karl Huber übte scharfe Kritik an der Berichterstattung über das Verfahren. „Die Angriffe, denen sich das Gericht ausgesetzt sah, obwohl es sich absolut korrekt verhalten hatte, sind in der deutschen Geschichte ohne Beispiel“, sagte er. Das OLG war in die öffentliche Kritik geraten, weil bei der Vergabe der Presseplätze im ersten Anlauf keine türkischen Medien zum Zuge gekommen waren. Acht von zehn Opfern der dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zugeschriebenen Morde stammten aus der Türkei.

 

Deutscher Journalistenverband kritisiert Verfahren

 

„Das Ergebnis des Akkreditierungsverfahrens ist zweifelhaft“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass es für die überregional wichtigsten Medien kaum eine Möglichkeit geben soll, über das NSU-Verfahren zu berichten.“ Die Vergabe der Presseplätze stehe „in krassem Widerspruch zur immensen bundesweiten und internationalen Bedeutung des Prozesses“.