„Sekten-Guru“ bald vor Gericht

Nürnberg/Lonnerstadt – Das religiöse Oberhaupt der „Neuen Gruppe der Weltdiener“ steht mit seiner Lebensgefährtin ab Mitte Juli vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Sie werden beschuldigt dem Kind der Lebensgefährtin lebensnotwenige Medikamente und Arztbesuche untersagt und so das Leben des Kindes gefährdet zu haben.

 

1999 schloss sich die Mutter dreier Kindern einem Mann aus Lonnerstadt bei Erlangen an, an dessen Botschaft sie fest glaubte. Religiöse Arbeit und Verzicht bestimmten von da an das Leben der damals 11, 12 und 14 Jahre alten Kinder. Dem zwölfjährigen Sohn, der an Mukoviszidose leidet, hat das Leben bei der Sekte auch gesundheitliche Schäden zur Folge. Seine Mutter setzte nach ihrem Eintritt in die Sekte die Medikamente des Jungen ab. Dies geschah ohne ärztliche Aufsicht, auch die Krankenversicherung wurde gekündigt.

 

2002, nach drei Jahren in der Sekte des Gurus, flüchtete der damals 16-Jährige zu seinem Vater. Nach Recherchen des WDR wog der Junge nur noch 27 Kilogramm. Des weiteren büßte er nach Informationen des Senders die Hälfte seiner Lungenfunktion ein. Dem Guru und seiner Frau wird vorgeworfen den schlechten Zustands des Jungen zwar gesehen, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Sie müssen sich nun wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten. Nachdem das Landgericht Nürnberg-Fürth die Anklage in vollem Umfang zuließ, soll die Verhandlung ab dem 15. Juli beginnen.