Sensation – Dialyse-Patientin bringt gesundes Kind zur Welt

Nürnberg – Die kleine Serafina ist ein Wunder im doppelten Sinn. Sie kam am Klinikum Nürnberg per Kaiserschnitt zur Welt, ist gesund und munter und voll entwickelt, obwohl ihre Mutter Dialysepatientin ist. Mama Astrid Bergmann strahlt: „Mir fehlen die Worte für das, was ich empfinde“, freut sich die 33-Jährige, schließlich hätte sie nie gedacht, dass sie einmal ein Kind haben könnte.

 

 

Weltweit gibt es nur einige hundert erfolgreiche Schwangerschaften

 

Weltweit gibt es nur einige hundert erfolgreiche Schwangerschaften mit Dialyse, wovon wiederum ein Fünftel der Frauen erst während der Schwangerschaft dialysepflichtig wurden. Frauen, die dialysepflichtig schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen, gibt es ganz  selten. Im Klinikum Nürnberg war das jetzt der Fall – dank der umfassenden medizinischen Betreuung durch die Nephrologie und die Geburtshilfe.

 

Seit sieben Jahren muss Bergmann dreimal in der Woche für vier Stunden zur Blutwäsche. Da Dialyse-Patientinnen einen sehr unregelmäßigen Eisprung haben, liegt die Chance auf eine Schwangerschaft nur bei etwa einem Prozent. Oft wird die Schwangerschaft auch sehr spät festgestellt, da das Unwohlsein auf die Dialyse zurückgeführt wird, das kann dann Auswirkungen auf den Fötus haben.

 

 

Bei medizinischer Studie von Schwangerschaft erfahren

 

Bei Astrid Bergmann war alles anders. Da sie an einer medizinischen Studie teilnehmen wollte, musste sie zu einer Voruntersuchung. Ein Schwangerschaftstest gehört immer dazu. „Als ich bei der Gelegenheit erfuhr, dass ich in der fünften Schwangerschaftswoche bin, konnte ich es gar nicht fassen“, erinnert sich Bergmann.

 

Als erstes musste die Dialyse umgestellt werden von drei- auf sechsmal in der Woche. „Die hohen Harnstoffwerte der nierenkranken Mutter hätten sonst zu Problemen für das Baby geführt“, betont Nephrologie-Chefarzt Eckardt. Astrid Bergmann unterzog sich daher von Montag bis Samstag für jeweils vier Stunden einer ambulanten Blutwäsche im KfH-Nierenzentrum in der Kreuzburger Straße in Nürnberg und die stationäre Dialyse im Klinikum. „Je besser eine Patientin dialysiert ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwangerschaft erhalten werden kann und es zu keinem Abgang kommt“, sagt Oberarzt Leidig.

 

 

40 bis 60 Prozent der Dialyse-Patientinnen verlieren ihr Baby

 

Die Mühe hat sich gelohnt, denn alle Komplikationen einer solchen Hochrisiko-Schwangerschaft konnten verhindert werden. 40 bis 60 Prozent der Dialyse-Patientinnen verlieren ihr Baby. „Häufig kommt es zu Mangelentwicklungen, Früh- oder Fehlgeburten, Bluthochdruck oder Schwangerschaftsvergiftungen“, betont der Leiter der Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg Süd, Dr. Wolfgang Köhler. Jede Woche hat er die werdende Mutter untersucht und konnte sich davon überzeugen, wie gut sich das Baby entwickelt hat. „Auch die letzten Wochen vor der Geburt mussten wir die Patientin nicht stationär aufnehmen. Das ist bei einer solchen Risikoschwangerschaft extrem selten.“

 

 

Serafina kam per Kaiserschnitt zur Welt

 

Nach 40 Schwangerschaftswochen war es dann soweit. Per Kaiserschnitt kam die kleine Serafina gesund zur Welt – zur Freude der Eltern und der beteiligten Ärzte. „In meiner langjährigen Berufstätigkeit hatte ich einen solchen Fall bislang nicht erlebt“, betont der Perinatalmediziner Köhler. Nephrologie-Oberarzt Leidig verweist auf die Teamleistung der Ärzte und des Pflegeteams in der Dialyse-Einrichtung: „Wir sind alle sehr froh und auch stolz, dass dies gelungen ist.“

 

 

Wieder auf der Transplantations-Warteliste

 

Nach der Geburt muss Astrid Bergmann wieder „nur noch“ dreimal an die Dialyse. Sobald sich die junge Mutter erholt hat, wird sie Chefarzt Eckardt wieder auf die Warteliste für eine Nieren-Transplantation setzen. Vielleicht wird für Astrid Bergmann und ihre kleine Familie in naher Zukunft ein Leben ohne Dialyse möglich.