SpVgg schlägt Union Berlin mit 1:0

BERLIN – Die Spielvereinigung Greuther Fürth bleibt weiter der Angstgegner des 1. FC Union Berlin. Am Freitag siegte das Kleeblatt vor 18.700 Zuschauern in der Alten Försterei knapp mit 1:0 und beendete damit nach dem Pokal-Aus und der enttäuschenden Liga-Niederlage gegen Schlusslicht FSV Frankfurt eine kleine Herbstkrise.

 

Der Herbst ist angekommen in Köpenick. Das merkt man zu allererst auf diesem Fußweg zur Alten Försterei. Er führt durch ein kleines Waldstück, in dem vor wenigen Wochen noch aus vollen Kehlen die Vögel sangen, jetzt ist der Trampelpfad gesäumt von braunem Laub, herabgefallen von den Bäumen und niedergetreten von den Massen. Jetzt, wo das Wetter langsam trist und kalt wird, ausgerechnet jetzt, gibt es endlich etwas zu feiern für die Fans des 1. FC Union Berlin.

 

„Der Sieg über Sandhausen war für uns wie ein Liga-Neustart“, sagte Unions Damir Kreilach, ein Sieg aus zehn Punktspielen war den Berlinern bis dahin erst geglückt, man stand tief im Tabellenkeller, Misstrauen und Ungeduld beherrschte den Fußball, dann folgte eben jenes 3:1 gegen Sandhausen, mit einem 2:1 beim VfR Aalen gelang vergangene Woche sogar der erste Auswärtssieg. Union machte einen Satz hinauf ins Mittelfeld der zweiten Liga, die Mannschaft sprüht seitdem vor Selbstvertrauen.

 

In diesem Mittelfeld der Liga steht seit wenigen Wochen auch die Spielvereinigung Greuther Fürth, nachdem sie im Gleichklang mit dem Herbsteinzug die Sonnenplätze der Liga verlassen hat. Das Kleeblatt hatte nur noch eine der letzten fünf Ligapartien gewonnen, durch die Pokalniederlage gegen Kaiserslautern (0:2) und in der Woche zuvor dem peinlichen 2:5 zu Hause gegen Schlusslicht FSV Frankfurt hatte sich zuletzt sogar so etwas wie eine kleine Krise angebahnt.

 

„Wir befinden uns in einer schwierigen Phase“, gab Frank Kramer, der Trainer, zu und forderte vor dem zweiten Flutlichtspiel in einem der stimmungsvollsten Stadien binnen drei Tagen mehr Mannschaftsgeist von seinem Team – am Dienstag erst war das Kleeblatt auf dem Betzenberg aus dem Pokal ausgeschieden. „Vielleicht“, fand Stephan Schröck, der Außenverteidiger, „ist es ganz gut, dass es am Freitag schon wieder weiter geht.“

 

Die Frustbewältigung wollten die Fürther nicht im Training angehen, sondern gleich in der Alten Försterei, wo 18.700 Fans ihre Mannschaft mit so viel Leidenschaft besingen und nach vorne peitschen wie vielleicht nirgends sonst in dieser Liga.

 

Doch diese Fans und diese erstarkte Mannschaft wurden eiskalt geduscht: Zwei Minuten und fünfundzwanzig Sekunden waren gerade einmal von der Uhr gelaufen, da köpfte Benedikt Röcker eine Freistoßflanke von Stiepermann am Fünfmeterraum weiter zu Kacper Przybylko, der völlig alleingelassen ebenfalls per Kopf erfolgreich war: 1:0 für Fürth nach einer einstudierten Standartsituation. Ausgerechnet Przybylko noch dazu, den Frank Kramer mangels Alternativen an diesem Tag für den enttäuschenden Guilherme auf die rechte Außenbahn gestellt hatte, seine Position als Sturmspitze nahm Robert Zulj ein. Für den rotgesperrten Goran Sukalo rutschte Marco Stiepermann ins Mittelfeld, hinter den Spitzen durfte Johannes Wurtz erstmals von Beginn an agieren.

 

Der Start nach Maß gab den Gästen die nötige Sicherheit, Berlin musste sich erst einmal neu ordnen. Die erste Halbchance hatten die Gastgeber durch einen Kopfball von Sören Brandy, der aber übers Tor strich (14.). Mehr und mehr riss Union die zerfahrene Partie an sich, gewann mehr und mehr die Zweikämpfe im Mittelfeld, ohne sich aber in der Offensive Chancen zu erspielen. Fürth besann sich bald darauf, die Räume in der Defensive zuzustellen und schnellen Konterfußball aufzuziehen.

 

Doch egal, wer meist durch den agilen Zulj auf die Reise geschickt wurde – Tormöglichkeiten konnten sich auch die Gäste keine mehr erspielen. So ging es in einer umkämpften, nicht besonders ansehnlichen Partie mit einer knappen Führung für die Spielvereinigung in die Halbzeit. Zehn Minuten war die vorbei, da brachte Union-Coach Norbert Düwel mit Martin Kobylanski so etwas wie das Gesicht des Berliner Aufschwungs. Die Leihgabe von Werder Bremen hatte sich zu Saisonbeginn verletzt und ist zum Sieg gegen Sandhausen wieder fit geworden. „Immer wenn er reinkommt, bringt er wichtige Impulse“, hoffte Düwel.

 

Doch es ging weiter wie zuvor: Unions Angstgegner Fürth, der nur eines der letzten 14 Aufeinandertreffen im Oktober 2003 verloren hatte, konzentrierte sich aufs Verteidigen, Union Berlin kämpfte hart dagegen – ohne aber die zündenden Ideen im Angriff zu entwickeln. Die Partie plätscherte vor sich hin wie ein kalter Herbstregen, in dem auch Florian Trinks nach seiner Knieverletzung noch sein Comeback feiern durfte. Er köpfte zehn Minuten vor dem Ende nur knapp übers Berliner Tor und leitete eine starke Schlussphase der Fürther ein. Robert Zulj traf aus spitzem Winkel den Pfosten, den Nachschuss von Stephan Fürstner lenkte Union-Schlussmann Amsif um den Pfosten.

 

Als Schiedsrichter Thomsen, der in der vierten Minute der Nachspiel noch Sören Brandy wegen eines überharten Einsteigens gegen Stephan Schröck den Roten Karton unter die Nase hielt, um zehn vor halb Neun abpfiff, hatte das Kleeblatt die Wochen der Enttäuschung und den kurzen Aufschwung der Berliner gleichsam beendet.

 

1. FC Union Berlin: Amsif – Trimmel, Puncec, Leistner, Parensen (75. Dausch) – Zejnullahu (66. Kreilach), Köhler – Quiring (55. Kobylanski), Thiel – Brandy, Polter

SpVgg Greuther Fürth: Mickel – Schröck, Caligiuri, Röcker, Gießelmann – Fürstner, Stiepermann (90. Kleine) – Przybylko, Weilandt (90. + 5 Cinar) – Zulj, Wurtz (78. Trinks)

Tor: 0:1 Przybylko (3.) | Gelbe Karten: Zejnullahu – Schröck | Rote Karte: Brandy (grobes Foulspiel, 90. + 4) | Schiedsrichter: Martin Thomsen (Kleve) | Zuschauer: 18.702

 

Quelle:

Christoph Benesch/Nordbayern.de