So., 23.11.2014 , 16:01 Uhr

Club schlägt Ingolstadt mit 2:1

NÜRNBERG (Quelle: Nordbayern.de) - René Weiler hat beim 1. FC Nürnberg ein Debüt nach Maß gefeiert. Der neue Trainer beflügelte seine Elf zu einer über weite Strecken starken Leistung, auch wenn am Ende mächtig gezittert werden musste.

Als "Challenge" bezeichnete der neue Coach René Weiler sein Engagement beim Club nur Minuten vor seinem Pflichtspieldebüt in einem TV-Interview. Die Anspannung war ihm dabei ins Gesicht geschrieben. Höchst fokussiert beantwortete der studierte Journalist Weiler die ihm gestellten Fragen, ein Lächeln ging ihm nicht über die Lippen. "Offensiv müssen wir Akzente setzen, defensiv stabil stehen". Die Balance, darauf legt der Schweizer großen Wert, muss einfach stimmen.

 

Die Challenge Ingolstadt ging Weiler mit zwei personellen Wechseln an. Mössmer und Hovland (Startelfpremiere) rückten für den gesperrten Petrak und den grippegeschwächten Stark in die Innenverteidigung. Ansonsten blieb im Vergleich zum traurigen letzten Ismael-Auftritt in Sandhausen alles beim Alten: Rakovsky im Tor, Pinola und Kapitän Polak in der Anfangsformation. Auf der Bank aber nahm erstmals wieder der zwischenzeitlich degradierte Schäfer Platz.

Der Club als Herr im Haus

Und die beschworene Balance, das wurde schnell klar, die stimmte zu Beginn. Füllkrug näherte sich nach exakt 120 Sekunden erstmals dem Gäste-Tor an, sein Flatterball aus der Distanz wehrte FCI-Keeper Özcan nur mit Mühe ab. Vom seit 17 Spielen unbesiegten Tabellenführer aus der Audi-Stadt war in der Anfangsphase bis auf einen harmlosen Leckie-Drehschuss (6.) nichts zu sehen. Füllkrugs Kopfball strich nur knapp über den Querbalken. Der Club als Herr im Haus.

 

So war der Führungstreffer in der 16. Minute alles andere als unverdient. Sylvestr hob im zweiten Anlauf die Kugel ins Zentrum, wo Koch mutterseelenallein mit Hilfe des Innenpfostens einnickte. Das Tor küsste die bis dahin recht behäbigen Schanzer wach, der Spitzenreiter baute langsam aber sicher Druck auf. Der FCN lief mehr und mehr hinterher, ohne aber echte Chancen zuzulassen.

 

Mitten in diese Drangphase hinein schlug dann die Stunde des Patrick Rakovsky. Entschlossen fing der junge Keeper eine Ecke ab und drosch die Kugel sofort dem durchstartenden Sylvestr in den Lauf. Der stellte bei der Ballan- und mitnahme sowie beim Abschluss all das unter Beweis, weswegen er im Sommer aus Aue in die Noris gelotst worden war. Nach 25 Minuten führte der Club mit 2:0.

 

 

Füllkrugs feines Kabinettstückchen

 

Vor allem Rakovsky schien dieses Erfolgserlebnis sichtlich zu beflügeln, der Torhüter strahlte Ruhe und Souveränität aus, was die Gäste zunehmend resignieren ließ. Als Füllkrug gleich zwei Ingolstädter mit einer doppelten Zidane-Drehung düpierte, war auch dem letzten der 32.065 Zuschauer klar: Diese Mannschaft kann also doch noch Fußball spielen.

 

Wer nach dem Seitenwechsel mit einer wütenden Gäste-Offensive gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Es entwickelte sich eine komplett ausgeglichene Partie, bei der auf beiden Seiten Highlights ausblieben – bis Pinola unfreiwillig in die Bresche sprang. Erst legte sich der Argentinier die Kugel einen Tick zu weit vor und rauschte dann ungebremst in Roger hinein. Schiedsrichter Sippel zückte glatt Rot (63.) - eine sehr harte Entscheidung, weil Pinola zwar mit viel Risiko, nicht aber mit offener Sohle in den Zweikampf gegangen war.

 

Diese Szene war der Weckruf für den Klassenprimus. Ingolstadt erhöhte fortan das Tempo, schnupperte am Anschlusstreffer. Matips Seitfallzieher war einen Tick zu hoch angesetzt (66.), Rakovsky entschärfte einen Lappe-Schuss per sehenswerter Flugeinlage (69.). Dann war es aber doch passiert: Groß schaufelte das Leder in die Box, wo Hartmann den Fuß reinhielt und Rakovsky keine Chance ließ (71.). Und plötzlich war das große Zittern angesagt für alle, die es mit dem Club hielten. Wieder einmal.

 

Keine Entlastung mehr

 

Entlastung gab es nur noch selten, FCN-Abschlüsse gar nicht mehr. Anders die Schanzer, die mehr und mehr auf den Ausgleich drängten, aber immer wieder an Rakovsky scheiterten. Rogers Direktabnahme aus zehn Metern parierte der 21-Jährige mit Bravour. Hovland, Polak & Co. kämpften derweil mit viel Herz, warfen sich leidenschaftlich in jeden Zweikampf.

 

Am Ende reichte es für den 1. FC Nürnberg. Ingolstadt verließ erstmals in dieser Saison als Verlierer den Rasen, René Weiler feierte einen nahzu perfekten Einstand als Trainer. Zumindest was diese Partie angeht, darf der Schweizer bilanzieren: Challenge completed.

Quelle: Nordbayern.de/Peter Schulze-Zachau

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