Do., 14.08.2025 , 12:35 Uhr

Im Fall international agierender mutmaßlicher Internetbetrüger: Drei Tatverdächtige festgenommen

Im Fall mehrerer international agierender mutmaßlicher Internetbetrüger gelang es der Kriminalpolizei Nürnberg und der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) weitere mögliche Hintermänner zu identifizieren. Im Rahmen eines Action Days in Rumänien konnten drei weitere Tatverdächtige festgenommen werden. Das vermeldet das Polizeipräsidium Mittelfranken heute.

Bereits seit August 2023 ermittelten die Beamten wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs gegen eine international agierende Gruppierung. Diese steht im Verdacht, seit spätestens November 2022 eine Vielzahl von Personen weltweit über das Internet betrogen zu haben.

Die Betrugsmasche

Dabei handelte es sich um sogenannte Phishing-E-Mails, mit denen die Täter an Daten gelangten. Dadurch konnten sie sich Zugang zu den Händlerkonten eines großen Online-Versandhandels verschaffen. Nach der Übernahme boten die Täter auf den Händlerkonten diverse Waren (unter anderem Fernsehgeräte oder Spielekonsolen) zu stark verbilligten Preisen zum Kauf an. Zahlreiche Personen bestellten diese Artikel in dem Glauben bei seriösen Online-Versandhändlern ein Sonderangebot zu kaufen. Anschließend versuchten die Täter die Käufer von einer Zahlung in Vorkasse zu überzeugen. Tatsächlich wollten die Täter die angebotenen Waren aber nie versenden.

Ausmaß der Internetbetrügereien

Bis heute haben die Täter über 400 Online-Händler-Konten übernommen. Dort wurden Bestellvorgänge im Gesamtwert von über 100 Millionen Euro durchgeführt. Vielen Käufern ist der Betrug offenbar rechtzeitig aufgefallen, bevor sie den Kaufpreis überwiesen haben. Mittlerweile sind der Polizei aber hunderte Geschädigte bekannt, die auf die perfide Masche hereingefallen sind. In Summe haben sie knapp 300.000 Euro an die Betrüger überwiesen. Weiterhin sind bei den Online-Versandhändlern, deren Konten übernommen wurden, enorme finanzielle Schäden entstanden. Wegen negativen Bewertungen von getäuschten Kunden mussten einzelne Versandhändler sogar ihre wirtschaftliche Tätigkeit einstellen. Die Ermittler gehen davon aus, dass viele Fälle noch gar nicht bekannt geworden sind. Die Polizei vermutet, dass die Dunkelziffer möglicherweise viel höher liegt.

Zusammenarbeit mit Rumänien

Im Dezember 2024 wurden sieben Tatverdächtige festgenommenen. Während der Ermittlungen ergaben sich Hinweise, dass weitere bisher unbekannte Personen an den Betrugsdelikten beteiligt waren. Über IT-forensische Auswertungen wurde fand die Polizei heraus, dass auch diese Tatverdächtigen aus Rumänien heraus agierten. Wegen der grenzüberschreitenden Ermittlungen arbeitete das Kommissariat Ermittlungen Cybercrime (ECC), die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB), die Behörden in Rumänien (vor allem die rumänische Spezialeinheit zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität und Terrorismus kurz D.I.I.C.O.T). Bereits zu Beginn der Ermittlungen wurde eigens ein ‚Joint Investigation Team‘ (JIT) gegründet – eine auf Zeit eingerichtete Ermittlungsgruppe, an der Behörden unterschiedlicher EU-Mitgliedsstaaten beteiligt sind.

So können die Ermittlungen direkt und auf schnellstem Weg zwischen den beteiligten Behörden abgestimmt und koordiniert werden. Dadurch konnten drei weitere Tatverdächtige identifiziert und die Festnahmen vorbereitet werden. Am 24.06.2025 durchsuchten rund 60 Einsatzkräfte sieben Objekte in Sibiu, Râmnicu Vâlcea und Dragasani und nahmen die Männer im Alter von 44, 32 und 27 Jahren fest. Bei den Durchsuchungen wurden elektronische Geräte sichergestellt. Die Auswertung dazu läuft. Die festgenommenen Personen wurden zwischenzeitlich nach Deutschland ausgeliefert und am 31.07.2025 einem Haftrichter vorgeführt. Sie befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Laut Polizei dauern die Ermittlungen in dem komplexen und grenzüberschreitenden Verfahren an.

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