Wer in Nürnberg einen Hortplatz sucht, braucht oft Glück, Geduld und viel Geld. Die Versorgungsquote der Stadt liegt derzeit bei 77 Prozent, ihr Ziel sind 90 Prozent. Seit diesem Schuljahr gilt schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Doch ein Hortplatz kann Eltern bis zu 600 Euro monatlich kosten. 108 neue Plätze gibt es jetzt an einem ungewöhnlichen Ort, der ehemaligen Geheimdienstvilla Hirsch in St. Johannis.
Seit 01. September ist in der Villa Hirsch nur wenig Top-Secret. In der ehemaligen Geheimdienstvilla haben aktuell über 66 Kinder die Lizenz zum Spielen, Lernen und Toben. Insgesamt hat der Hort Platz für 108 Grundschulkinder. Dazu wurden jetzt die Schlüssel übergeben. Der Start in die Mission war zwar nicht unmöglich, aber dennoch herausfordernd. Mehr als ein Jahr wurde das denkmalgeschützte Gebäude zum Kinderhort umgebaut. 1913 ließ der jüdische Unternehmer Angelo Hirsch die prachtvolle Villa in Nürnberg-St. Johannis errichten. Später nutzten die Nationalsozialisten das Gebäude. Nach dem Krieg zogen amerikanische Nachrichtendienste ein – anschließend der Bundesnachrichtendienst. Bis 2013 blieb die Villa ein abgeschotteter Ort. Nach dem Auszug des Geheimdienstes stand das denkmalgeschützte Gebäude rund zehn Jahre leer. Das soll sich in Zukunft ändern.
2023 kaufte ein privater Investor das Anwesen. Die Idee: Die Villa soll wieder mit Leben gefüllt werden. Aus einem Jugendstilgebäude einen modernen Hort zu machen, war keine einfache Aufgabe. Besonders anspruchsvoll war der Denkmalschutz. Historische Fenster, Türen und prägende Bauelemente sollten erhalten bleiben. Gleichzeitig musste die Villa den heutigen Anforderungen an Brandschutz und Kinderbetreuung entsprechen. Neben Hausaufgabenräumen gibt es unter anderem einen Bewegungsraum, eine Lernwerkstatt und viel Platz für kreative Angebote. So soll die Villa Hirsch dem Stadtteil St. Johannis attraktiver machen. Der Erbauer der Villa Angelo Hirsch hat bei seiner Planung des Hauses zwar mit einigen Kinderzimmern geplant. Dass mehr als ein Jahrhundert später mal über 100 Kinder auf ihrer eigenen Mission sein werden: Damit hat der jüdische Unternehmer damals wahrscheinlich nicht gerechnet.