Wer ins DB-Museum nach Nürnberg kommt, denkt an historische Lokomotiven wie den Adler oder den restaurierten Wagen von König Ludwig II. Doch das Museum beherbergt noch einen unterirdischen Schatz: ein ehemaliger Luftschutz- und Atombunker. Dort sind Führungen zwar buchbar, aber finden nur unregelmäßig im Jahr statt. An diesem Wochenende öffnet der Bunker seine schweren Stahltüren. Rainer Mertens kennt im DB-Museum jeden Winkel. Der gebürtige Nürnberger arbeitet seit fast 30 Jahren dort. Als stellvertretender Museumsleiter führt er uns an einen Ort, den die meisten Besucherinnen und Besucher nicht zu sehen bekommen – die ehemalige Befehlsstelle unter dem Museumshof.
Am Wochenende öffnet das besondere Stück Zeitgeschichte für Interessierte seine Türen. Errichtet wurde die Anlage bereits 1938. Ursprünglich war der Luftschutzbunker für die Eisenbahndirektion Nürnberg. Während des Zweiten Weltkriegs wurde von hier aus der Bahnverkehr in Nordbayern koordiniert – auch während der Luftangriffe. Denn die Eisenbahn war für den Nachschub und die Versorgung von zentraler Bedeutung. In den 1970er Jahren erhält der Bunker eine völlig neue Aufgabe. Im Kalten Krieg wird die Anlage umfassend modernisiert. Neue Lüftungs- und Filtertechnik, Notstromversorgung und geschützte Kommunikationsanlagen sollen dafür sorgen, dass der Betrieb selbst nach einem Atomangriff weitergeführt werden könnte. Nach dem Kalten Krieg war der Bunker bis 2005 Teil der kritischen Infrastruktur. Seitdem ist er ein Museum. Im Ernstfall hätten dort Bahnangestellte bis zu 14 Tage rund um die Uhr arbeiten können. Deshalb gehörten auch Schlaf- und Ruheräume zur Anlage.
Seltene Gelegenheit für eine Zeitreise
Heute ist der Bunker vor allem ein außergewöhnliches Zeugnis deutscher Zeitgeschichte. Am Samstag, den 11. Juli, und Sonntag, den 12. Juli, gibt es halbstündige Kurzführungen sowie längere Technikführungen mit Mitgliedern der Nürnberger Unterwelten. Da erzählen Rainer Mertens und sein Team nicht nur von der Eisenbahn im Krieg, sondern auch von den Ängsten des Kalten Krieges, tief unter dem DB-Museum. Viele der Führungen sind bereits ausverkauft. Das betrifft vor allem die Tour der Unterwelten. Für einige Kurzführungen gibt es aber noch Restkarten. Die Kurzführungen dauern 30 Minuten und kosten inklusive Museumseintritt 13 Euro.