Ein spektakulärer Fund unter einem Parkplatz: In Rothenburg ob der Tauber sind vor rund einem Jahr die Überreste einer mittelalterlichen Synagoge entdeckt worden. Seitdem wird geforscht, vermessen und rekonstruiert. Jetzt gibt es neue Ergebnisse – und erstmals auch konkrete Vorstellungen davon, wie das Gebäude einst ausgesehen haben könnte.
Der Kapellenplatz in Rothenburg ob der Tauber. Ein Parkplatz in der Altstadt. Und doch liegt genau hier – nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche – ein verborgenes Stück Geschichte. Im Sommer letzten Jahres wurden hier beim Umbau des Parkplatzes Überreste einer Synagoge aus der Zeit vor 1300 gefunden.
Seit dem Fund hat sich viel getan. Experten vom Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege haben den ganzen Kapellenplatz mittels Bodenradar untersucht – eine Art Röntgenblick, ganz ohne weitere Grabungen. Der Grundriss der mittelalterlichen Synagoge konnte erstmals fast vollständig rekonstruiert werden. Und der hat es in sich: Das Gebäude misst etwa 16 mal 11 Meter, mit rund einen Meter dicken Mauern. Im Inneren gab es Platz für bis zu 380 Menschen.
1406 wurde die Synagoge nach dem Judenpogrom von 1349 zur Marienkapelle umgebaut. Durch alte Federzeichnungen und Kupferstiche und auch durch die neuen Messdaten gibt es jetzt Einblicke in den früheren Aufbau der Synagoge. Es war ein großer Saalbau, dazu eine Frauenabteilung im Süden und ein eigener Bereich für den Thoraschrein im Osten. Sogar die Position der Bima – also des Lesepults – lässt sich heute im Zentrum des Raumes nachweisen.
An den historischen Fund erinnern heute nur noch andersfarbige Pflastersteine. Sie markieren den ausgegrabenen Eingang zum Gebäude. Er bleibt jetzt sicher konserviert unter Vlies und Schotter. Und auch der Rest des Bodendenkmals soll weiter unter der Erde und unter den Parkplätzen schlummern dürfen. Und mit ihm auch das ein oder andere Rätsel.