Zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs hat das russische Verteidigungsministerium eine zweitägige Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine angekündigt. Dennoch gehen derzeit die Angriffe auf die Ukraine unentwegt weiter. In dieser Lage an einen Wiederaufbau nach dem Krieg zu denken, fällt schwer. Dennoch arbeiten Organisationen der Vereinten Nationen unter anderem auf kommunaler Ebene genau daran. Dazu bringen sie ukrainische und deutsche Städte, Firmen und Entscheidungsträger zusammen – wie ein Beispiel aus Erlangen zeigt.
Es ist ein straffes Programm, das die ukrainische Delegation in den vergangenen Tagen absolviert hat. Nach Terminen in München und Nürnberg besuchen die Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik die Kläranlage in Erlangen. Das Ziel: die Basis für eine nachhaltige und resiliente Ukraine der Zukunft schaffen, wie Maxim Kosel, Hauptingenieur des Wasserwerks aus Erlangens Partnerstadt Browary, erzählt.
Maxim Kosel: „Vor einem Jahr hatten wir einen Vorfall, dass unser Fluss, von dem wir das Wasser für unsere Stadt bekommen von der Russischen Föderation verschmutzt wurde. Deshalb mussten alle Städte und Gemeinden, die an diesem Fluss liegen, dann ganz dringend noch eine zweite Wasseraufbereitung bauen.
Maxim und seine Gruppe sind mit dem Study-Group-Programm der United Nations Industrial Development Organization, der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung, nach Deutschland gekommen. Die Mitglieder erhoffen sich von dem Programm Wissensaustausch und Kooperationen – auch mit mittelfränkischen Unternehmen.
Aktuell und im Rahmen eines zukünftigen Wiederaufbaus möchte die Ukraine eine nachhaltige Energiewende vorantreiben. Dabei hofft sie auch auf das Know-how aus Mittelfranken. Der Kontakt in die Region entstand in den Jahren von 2015 bis 2022 in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bundesentwicklungsministerium. Insgesamt haben Staaten seit Beginn des Krieges mehr als 500 Milliarden Euro an Hilfen für die Ukraine bereitgestellt. Ein Bruchteil davon entfällt auf humanitäre Hilfe und Infrastrukturmaßnahmen – laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft. Diese Erfahrungen wollen die Ukrainerinnen und Ukrainer unter anderem mit nach Browary und Charkiw nehmen und so die nachhaltige Zukunft des Landes mit Hilfe aus Mittelfranken gestalten.