In den Sommerferien zieht der Nürnberger Tiergarten bald wieder zahlreiche große und kleine Gäste an. Sie besuchen die Vorführungen in der neuen Delfin-Lagune oder beobachten den Löwen-Nachwuchs. Fast vergessen scheint dabei ein Ereignis, das heute fast genau ein Jahr zurückliegt. Damals ließ der Tiergarten zwölf Paviane gezielt töten, weil das Gehege überfüllt war. Bis heute sind die Folgen und die Debatte darüber längst nicht abgeschlossen.
Auch ein Jahr nach der gezielten Tötung von zwölf Pavianen bleibt das Thema in Nürnberg präsent. Direktor Dag Encke ist bis heute vom damaligen Vorgehen des Tiergartens überzeugt.
Vorwürfe der Inzucht im Paviangehege
Der Tiergarten setzt sein Zuchtprogramm weiter fort. Seit Jahrzehnten hat Nürnberg dazu keine weiteren Paviane aus externen Tierhaltungen erhalten. Für Biologin Daniela Freyer ist es daher völlig unverständlich, dass der Tiergarten weiter Paviane züchtet.
Organisationen wie Pro Wildlife werfen den Verantwortlichen Inzucht vor, wodurch die Anfälligkeit für Krankheiten steige und die Chance auf Auswilderung für die Paviane sinke. Tatsächlich sind von den letzten neun Pavian-Babys bereits sieben verstorben.
Über 800 Strafanzeigen – Prozess unklar
Ein offener Fall, der sich auch auf aktuelle Ermittlungsverfahren auswirken könnte. Seit dem Vorfall im vergangenen Jahr liegen über 800 Strafanzeigen gegen Verantwortliche des Tiergartens bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth vor.
Noch ist unklar, ob es tatsächlich zu einem Prozess kommt. Unabhängig davon sind sich alle Parteien zumindest in einem Punkt einig: Das Tierwohl und der Artenschutz stehen an erster Stelle. Auch wenn die Vorstellungen zu diesem Ziel weit auseinandergehen.