Seit Mai ermittelt die EKO Kajal im Umfeld des Nürnberger Hauptbahnhofs. Das Problem selbst ist allerdings nicht neu: Drogenabgaben an Minderjährige und der Verdacht auf sexuelle Ausbeutung beschäftigen die Polizei schon länger. Die EKO Kajal wurde im Mai gegründet, um gezielt gegen diese Strukturen vorzugehen. Erst vergangene Woche hat die Polizei zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Nach knapp vier Monaten ziehen wir eine Zwischenbilanz.
Erst vergangene Woche nahm die Polizei zwei weitere Tatverdächtige fest. In einem Fall hatte sich eine 15-Jährige aus einer Wohnung in der Unteren Kanalstraße bei der Polizei gemeldet. Sie gab an, dort sexuell bedrängt worden zu sein. Die Polizei traf die Jugendliche in der Wohnung an und nahm einen 46-jährigen Tatverdächtigen fest. Er befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.
Seit der Gründung der Ermittlungskommission im Mai haben die Ermittler insgesamt 17 Haftbefehle erwirkt. Insgesamt sitzen derzeit 14 Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Die Fälle hängen nach Polizeiangaben nicht zwingend zusammen, ähnliche Muster gibt es dennoch.
Neben den Ermittlungen setzt die Polizei auf verstärkte Präsenz rund um den Nürnberger Hauptbahnhof. Dazu gehören unter anderem Kontrollen und Kameraüberwachung. Wenn Täter auf andere Bereiche ausweichen, soll der Überwachungsraum entsprechend angepasst werden.
Gleichzeitig arbeitet die Polizei mit sozialen Einrichtungen zusammen, um betroffene Jugendliche zu unterstützen und aus den Strukturen herauszuholen.
Trotz der bisherigen Festnahmen geht die Polizei davon aus, dass die Ermittlungen und die Präventionsarbeit langfristig notwendig bleiben. Die EKO Kajal habe es nicht mit einem einzelnen Netzwerk zu tun, das sich mit der Festnahme einiger Personen zerschlagen lasse.
„Wir haben ja kein Netzwerk, das es jetzt gilt zu zerschlagen. […] Wir müssen damit rechnen, dass es zum einen länger dauert, bis wir da großflächig Erfolge vermelden können und da eine nachhaltige Wirkung auch eintritt. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass wir diese Problematik vielleicht auch nie zu 100 % in den Griff bekommen können.” – Michael Konrad, Pressesprecher Polizeipräsidium Mittelfranken
Eine Aussage, die wenig Hoffnung für die Betroffenen auf eine schnelle Lösung macht – gleichzeitig aber auch zeigt, wie komplex das Problem für die Ermittler und Einrichtungen am Ende wirklich ist.