Das erste frische Obst aus Franken kommt langsam in die Saison. In vielen Betrieben beginnt jetzt die Erdbeerernte, gleichzeitig richtet sich der Blick schon auf die ersten Kirschen. Auf den Feldern entscheidet sich in diesen Wochen, wie gut die Ernte am Ende wirklich wird.
Denn das Wetter im bisherigen Frühjahr war alles andere als stabil: viel Regen, kühle Temperaturen und vor allem ein sehr später und teils ungewöhnlich starker Frost haben viele Obstbauern vor Probleme gestellt. Auch bei Lukas Niedermann in Hüttendorf bei Erlangen hat das Folgen für die aktuelle Saison.
Auf dem Selbsterntehof Huckepack wird in dritter Generation gearbeitet. Der Familienbetrieb setzt auf Direktvermarktung und Selbsternte – Besucher können Obst und Gemüse direkt auf dem Feld pflücken und so Landwirtschaft unmittelbar erleben. Gerade zur Erdbeerzeit ist das Angebot stark gefragt, viele Familien kommen auf den Hof.
Doch der Start in die Erdbeersaison fällt in diesem Jahr verhaltener aus als üblich. Durch den späten Frost ist ein Teil der frühen Erdbeerblüte geschädigt worden, rund 55 Prozent der Frühernte gelten als betroffen. Dazu kamen wochenlang kühle und nasse Bedingungen, die das Wachstum zusätzlich verlangsamt haben. Die Früchte reifen dadurch deutlich später nach als in normalen Jahren.
Auch grundsätzlich zeigt sich im Betrieb, dass Wetterextreme zunehmend zur Herausforderung werden. Spätfröste sind längst keine Ausnahme mehr, sondern treten in manchen Jahren regelmäßig auf. Gleichzeitig reagieren die Pflanzen empfindlicher, weil sich die Vegetationsphasen durch mildere Frühjahre nach vorne verschieben und dadurch Blüte und Frostgefahr häufiger zusammenfallen.
Besonders deutlich wird das auch bei den Kirschen, die im Sommer folgen. Bereits während der Blütezeit im April mussten die Bäume vor Frost geschützt werden. Dafür kommen technische Maßnahmen zum Einsatz, etwa die Frostschutzberegnung, bei der die Blüten durch eine Eisschicht vor noch tieferen Temperaturen geschützt werden. Ohne solche Maßnahmen wäre ein wirtschaftlicher Anbau heute kaum noch möglich.
Insgesamt zeigt sich: Der Obstbau wird immer stärker vom Wetter bestimmt und damit auch von kurzfristigen Extremereignissen. Investitionen in Schutztechnik und Infrastruktur werden wichtiger, um Ernteausfälle zu vermeiden. Gleichzeitig bleibt das Risiko hoch, weil sich Wetterlagen nur begrenzt kontrollieren lassen.
Trotz dieser Herausforderungen setzt der Familienbetrieb weiterhin auf regionale Produktion und das Konzept der Selbsternte. Damit bleibt der direkte Bezug zwischen Erzeugung und Verbraucher erhalten – und Landwirtschaft wird für viele Menschen unmittelbar erlebbar, genau dort, wo die Früchte wachsen.