Die Bananen am Kilimandscharo, die Zitronen aus Sorrent oder die Reisterrassen in Yunnan: Diesen Anbaugebieten hat die Welternährungsorganisation mit dem Titel Weltagrarkulturerbe ausgezeichnet. 104 Stätten in 25 Ländern hat die FAO bereits ernannt. In Deutschland gibt es bisher noch keinen Titel. Die Europäische Metropolregion Nürnberg möchte das jetzt ändern.
Peter Köninger bereitet das Futter für seine Kühe in Kreben vor. Seine Familie betreibt den Hof im Landkreis Fürth mit 200 Tieren in der vierten Generation. Seit 1,5 Jahren arbeitet der 59-Jährige an der Bewerbung der Metropolregion Nürnberg zum Weltagrarkulturerbe mit. Von dem Titel erhofft sich der Milchbauer Schwung für die heimische Landwirtschaft: Damit zeichnet die FAO traditionelles Handwerk, ressourcenschonenden Anbau und nachhaltige Landwirtschaft aus. Die Karpfen im Aischgrund, das Gemüse im Knoblauchsland oder der Siegelhopfen in Spalt: Das seien nur drei von vielen Erzeugnissen, die den heimischen Anbau auszeichnen. Die Erzeugerinnen und Erzeuger auf der Grünen Woche in Berlin hoffen noch auf andere Effekte.
Deshalb will die Europäische Metropolregion Nürnberg diese Vielfalt jetzt schützen lassen. Auf der Messe im Januar hat sie ihre Bewerbung vorgestellt. Denn: Aktuell liegen die Unterlagen bei Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Behörde wird die Unterlagen an die Welternährungsorganisation in Rom übergeben. Derzeit ist die Bewerbung jedoch in der Region umstritten. Viele Fragen seien noch nicht geklärt, so der Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland. Außerdem fühlt sie sich der Verband nicht mitgenommen.
Christian Hofmann: Darüberhinaus wurde eine grundsätzlich bessere Kommunikation und Einbindung in die Gremienarbeit zu diesem Thema für den Knoblauchsländer Gemüsebau reklamiert. Wir wollen das nicht aus der Zeitung erfahren.
Beide Parteien sind offen für einen weiteren Austausch. Der Titel soll traditionelle Landwirtschaft schützen. Landwirte aus der Region befürchten, dass der Schutztitel Innovationen verhindere. Den Vorwurf, der heimischen Landwirtschaft eine Käseglocke überstülpen zu wollen, will Köninger dennoch nicht gelten lassen. Im Herbst 2026 wird die FAO in Rom über den Antrag entscheiden. Dann könnte Mittelfrankens Landwirtschaft zum Weltagrarkulturerbe werden.