Mi., 03.06.2026 , 15:28 Uhr

Gefährliche Fahrradstrecke Nürnbergs: ADFC sieht größten Handlungsbedarf

Der ADFC Nürnberg lässt Radfahrende abstimmen, wo sie im Stadtgebiet die größten Lücken im Radwegenetz sehen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die Radweglücke am Westring zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Fürther Straße landet auf Platz eins.

Rund 60 Prozent der Teilnehmenden bewerten die Strecke mit der Höchstnote zehn von zehn – also als besonders problematisch.

Vor Ort zeigt sich schnell, warum.

Radfahrende treffen hier auf eine vierspurige Straße mit dichtem Autoverkehr. Die Radinfrastruktur endet teilweise abrupt, Autos fahren mit Tempo 50 oder schneller, und die Fahrbahn liegt in Teilen in schlechtem Zustand.

Aus Sicht des ADFC liegt genau darin das Kernproblem.

Der Ring wirkt insgesamt unangenehm zu fahren. Besonders kritisch wirkt, dass die Radinfrastruktur plötzlich endet und Radfahrende direkt im fließenden Kfz-Verkehr landen. Das wirkt im Alltag sehr unangenehm und teilweise auch gefährlich.

Der Westring bildet dabei eine wichtige Verbindung im Nürnberger Westen. Rund 30.000 Autos fahren täglich über den Abschnitt, gleichzeitig nutzen auch viele Menschen das Fahrrad. Aus Sicht des ADFC gibt es kaum sinnvolle Alternativen – wer die Strecke meidet, nimmt mehrere Kilometer Umweg in Kauf.

Auch die Frage nach einer Lösung steht seit Jahren im Raum.

Aus Sicht des ADFC wirkt eine Verbesserung vergleichsweise einfach möglich. Entlang der ehemaligen Straßenbahntrasse gibt es ausreichend Platz für einen breiteren, sichereren Radstreifen. Viele fragen sich, warum diese Chance bei früheren Arbeiten an der Straße nicht genutzt wird.

Im Verkehrsplanungsamt läuft bereits seit rund zwei Jahren eine Umgestaltung.

Dort ist die Umfrage bekannt, und der Kritik wird nicht widersprochen. Die Stadt erkennt die schwierige Situation an. Gleichzeitig läuft die Planung für eine Umgestaltung weiter. Vorgesehen sind deutlich breitere Radstreifen als bisher, teilweise mit bis zu 2,10 Metern auf der Brücke und etwa 1,85 Metern in anderen Abschnitten – jeweils mit Abstand zum Autoverkehr.

Doch bis zur Umsetzung bleibt es ein weiter Weg.

Die Stadt führt eine lange Liste an Verkehrs- und Infrastrukturprojekten, die ebenfalls umgesetzt werden sollen. Insgesamt geht es um Bauvorhaben im Umfang von rund 250 Millionen Euro. Da Mittel, Personal und Fördergelder begrenzt sind, lassen sich nicht alle Projekte gleichzeitig umsetzen.

Zwischen Planung und Umsetzung vergehen deshalb oft mehrere Jahre. Viele Vorhaben laufen parallel, während die Stadt priorisiert. Zwar liegen die Planungen für den Westring bereits weitgehend vor, doch der Start der Bauarbeiten hängt noch von der Zustimmung des Stadtrats ab.

Wenn der Stadtrat zustimmt, beginnt der Umbau frühestens 2028. Bis dahin bleibt die Situation für Radfahrende unverändert – und die Lücke am Westring eine der zentralen Problemstellen im Nürnberger Radwegenetz.

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