Stroh statt Ziegel – was bis ins 19. Jahrhundert auf vielen Bauernhäusern selbstverständlich war, ist heute eine echte Seltenheit. Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim deckt aktuell eines der größten historischen Strohdächer der Anlage neu. Dafür braucht es viele Tonnen Stroh. Die hat das Museum gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf 10 Monate lang angebaut. Das ist allerdings nicht die einzige Herausforderung.
Für Leon Söllner ist diese Arbeit alles andere als Alltag. Seit einigen Monaten erarbeitet sich der 30-Jährige mit seinem Team, wie man ein Dach aus Stroh deckt. Der gelernte Zimmerer hat 2019 seine Lehre im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim begonnen. Seit 2024 kümmert er sich um die Gebäude dort. Das Haus stammt aus dem Jahr 1367. Es stand in Heilsbronn im Landkreis Ansbach. Seit den 1980er Jahren ist es Teil der Baugruppe Mittelalter im Freilandmuseum. Bis ins 19. Jahrhundert gehörten sie zum typischen Bild im ländlichen Franken. In den Städten waren Strohdächer bereits im Mittelalter verboten. Frisch gedeckt, leuchtet das Dach goldgelb. Mit den Jahren färbt es sich durch Sonne und Regen silbergrau – ein ganz natürlicher Alterungsprozess.
Drei Jahre hat sich das Museum auf den Neubau vorbereitet. Geeigneter Winterroggen zum Beispiel wird heute kaum noch angebaut. Gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf wird deshalb spezieller Roggen kultiviert. Das Getreide erhält besonders viel Platz und entwickelt dadurch die langen Halme, die für ein langlebiges Dach nötig sind. Wie historische Strohdächer entstehen, musste sich Leon Söllner in den letzten Monaten zusätzlich aneignen. Er hat es unter anderem von seinen Vorgängern. Denn dieses Wissen beherrschen nur noch wenige Handwerker. Wann Leon Söllner und seine sechs Kollegen mit dem Dach fertig sein werden, ist noch unklar. Denn wie schnell die Handwerker vorankommen, hängt vom Wetter ab. Außerdem können sie nur arbeiten, wenn es genügend Roggenstroh gibt. Große Herausforderungen also, um ein Stück fränkisches Landleben zu erhalten.