Seit Jahrzehnten wird über den Frankenschnellweg gestritten. Braucht Nürnberg den milliardenschweren Ausbau mit Tunnel – oder gibt es bessere und günstigere Alternativen? Am kommenden Sonntag können die Nürnbergerinnen und Nürnberger darüber selbst entscheiden. Doch worüber wird eigentlich genau abgestimmt? Wir haben die Positionen für Sie zusammengefasst.
Ein rund zwei Kilometer langer Tunnel zwischen der Jansenbrücke und dem Kreuz Nürnberg-Hafen: So möchte die Stadt Nürnberg den Frankenschnellweg entlasten.
Das Ziel: Der Ausbau soll Staus reduzieren, den Verkehr flüssiger machen, Grünflächen auf dem Tunnel schaffen und Anwohnerinnen und Anwohner vom Lärm entlasten. Die Kosten liegen bei rund 1,1 Milliarden Euro. Vom Freistaat gibt es Zuschüsse in Höhe von 80 Prozent sowie eine Sonderfinanzierung aus dem Staatshaushalt in Höhe von 150 Millionen Euro. Der Bau des 1,8 Kilometer langen Tunnels wird mindestens zehn Jahre dauern.
„Lieber zurück auf Los“, das fordern dagegen die Initiatoren eines Bürgerbegehrens. Sie befürchten höhere Kosten als geplant – auch für die spätere Instandhaltung des Tunnels – und warnen davor, dass zusätzliche Straßenkapazitäten langfristig sogar mehr Verkehr anziehen könnten. Stattdessen schlagen sie Investitionen in Bus, Bahn und Radverkehr vor.
Neben diesen beiden Positionen gibt es noch weitere Ideen. Der Verein Nürnberg-Fürther Stadtkanal schlägt beispielsweise vor, den Frankenschnellweg langfristig durch einen Stadtkanal zu ersetzen. Dieser Vorschlag steht allerdings nicht zur Abstimmung und ist aktuell keine offizielle Alternative im Bürgerentscheid.
Die Frage aller Fragen lautet: „Sind Sie dafür, dass die derzeitigen Planungen und Maßnahmen nach aktuellem Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Frankenschnellwegs sofort gestoppt werden?“ Darüber entscheiden am Sonntag rund 380.000 Bürgerinnen und Bürger in Nürnberg.
Wer den Ausbau mit Tunnel stoppen will, muss also mit „Ja“ stimmen. Wer das geplante Projekt stattdessen unterstützen möchte, stimmt mit „Nein“.
Scheitert die Tunnellösung im Bürgerentscheid, müsste die Stadt ihre Planungen neu aufstellen. Dennoch wäre eine Sanierung des Frankenschnellwegs notwendig. Die Kosten dafür werden aktuell auf rund 110 Millionen Euro geschätzt.
Stimmt die Mehrheit dagegen mit „Nein“ und damit für den Ausbau, könnten die vorbereitenden Arbeiten bereits im Frühjahr 2027 beginnen. Mit dem eigentlichen Tunnelbau wird dann voraussichtlich 2030 gestartet.