Seit Jahren ist sie ein Symbol für Stillstand in der Nürnberger Südstadt: die Baugrube am Aufseßplatz. Eigentlich sollte auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhauses Schocken ein neues Quartier entstehen – mit Wohnungen, Geschäften und sozialer Infrastruktur. Doch lange Zeit passierte sichtbar wenig. Das mit Wasser gefüllte Loch bekam im Internet sogar den Spitznamen „Lago di Aufseß“.
Für viele Anwohner ist die Situation längst zum Ärgernis geworden. Sie erinnern sich an die Ankündigungen vor der Kommunalwahl, als der Neustart des Projekts verkündet wurde. Seitdem habe sich aus ihrer Sicht aber kaum etwas verändert. Die Menschen vor Ort wünschen sich, dass nach Jahren des Wartens endlich Bewegung in die Sache kommt. Auch Geschäftsleute beklagen, dass die Baustelle ihre Sichtbarkeit und damit ihre Kundschaft beeinträchtigt.
Die SPD-Stadtratsfraktion greift diese Kritik auf. Sie fordert in einem Antrag einen aktuellen Sachstandsbericht zum Schocken-Carré und mehr Transparenz darüber, wie es mit dem Projekt weitergeht. Für SPD-Stadtrat Anil Altun ist die Baugrube ein Zeichen dafür, dass ein wichtiger Ort der Südstadt zu lange ohne Entwicklung geblieben ist. Er fordert deshalb mehr Druck und klare Informationen zum weiteren Zeitplan.
Altun kritisiert außerdem, dass die Folgen des jahrelangen Stillstands für den Stadtteil unterschätzt worden seien. Neben der Baustelle selbst gehe es auch um die Aufenthaltsqualität, Sauberkeit und das Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort.
Die CSU weist die Kritik zurück und verweist auf den Projektentwickler Ten Brinke. Nach dessen Angaben laufen derzeit die Vorbereitungen für den Baustart im Herbst. Von einem Stillstand könne deshalb keine Rede sein. Die CSU betont, dass es sich um ein komplexes Bauvorhaben handelt, bei dem umfangreiche Planungen und eine große Baulogistik notwendig seien.
Auch Anil Altun sieht die aktuellen Vorbereitungen als positives Signal. Er erinnert aber daran, dass es bereits in der Vergangenheit Ankündigungen gegeben habe, denen zunächst keine sichtbaren Fortschritte folgten. Entscheidend sei deshalb, dass aus den neuen Versprechen nun tatsächlich Bauarbeiten entstehen.
Nach Angaben des Projektentwicklers sollen die Arbeiten im Herbst beginnen. Sollte der Zeitplan eingehalten werden, könnte das Schocken-Carré frühestens in etwa drei Jahren fertiggestellt sein. Bis dahin bleibt für viele Menschen am Aufseßplatz die Hoffnung, dass aus der bekannten Baugrube endlich ein neues Stück Südstadt wird.