Am Freitag wurde das Mercosur-Abkommen endgültig beschlossen. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen haben sich die Europäische Union und die südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay auf ein Handelsabkommen geeinigt. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen rund 91 Prozent der Zölle auf EU-Exporte wegfallen. Wirtschaftlich bringt das viele Chancen – doch nicht alle sehen das Abkommen positiv.
Fleisch, Zucker oder Käse. Das könnte bald häufiger aus Südamerika in europäischen Supermärkten landen. Mit dem Mercosur-Abkommen ist nun ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Teilen Südamerikas Realität geworden. Landwirt Reinhold Mayer blickt dem Abkommen mit Sorge entgegen. Mit 170 Hektar Fläche und 150 Kühen führt er in dritter Generation seinen Familienbetrieb. Jetzt befürchtet er das günstige Importe aus Südamerika den Preisdruck weiter erhöhen.
Auch Landwirtin Christine Reitelshöfer steht dem Abkommen skeptisch gegenüber. Sie sieht vor allem die Zukunft vieler Familienbetriebe in Gefahr.
Ganz anders die Stimmung in München: Dort wird das Abkommen als großer Erfolg gefeiert. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sieht darin vor allem strategische Chancen für Europa.
„Europa darf sich wirtschaftlich und politisch nicht in neue Abhängigkeiten manövrieren. Partner, die unsere Werte teilen, sind daher von entscheidender Bedeutung“ – Michaela Kaniber, Bayerische Landwirtschaftsministerin
Neben möglichen Vorteilen für die Wirtschaft rechnet Kaniber auch mit steigenden Exporten aus Deutschland, etwa im Bereich Agrar-, Umwelt- und Klimatechnik. Gleichzeitig bleiben Fragen offen – besonders, wenn es um die Kontrolle von Qualität und Standards bei importierten Lebensmitteln geht.
Frühestens ab 2027 sollen erste Waren im Rahmen des Abkommens gehandelt werden. Dann wird sich zeigen, welche konkreten Folgen, das für die Landwirte in der Region hat.