Naturschutz gegen Neuen Wohnraum: Das ist seit Jahrzehnten ein Streitpunkt im Nürnberger Stadtteil Wetzendorf. Denn die Fläche am Wetzendorfer Landgraben soll laut Stadt zum neuen Bauland werden. Über 1000 neue Wohneinheiten sind geplant. Doch dagegen gibt es seit langem Widerstand. Der Bund Naturschutz und Initiativen aus der Bevölkerung wollen die Kulturflächen des Knoblauchslandes erhalten. Deshalb wollen sie jetzt vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ziehen.
Hier im Knoblauchsland geht es ruhig und gleichmäßig zu. Doch der Schein trügt. Über die Flächen des größten urbanen Anbaugebiets Deutschlands gibt es seit Jahrzehnten Streit. Die Stadt will dem hohen Wohnungsdruck begegnen. Deshalb soll am Wetzendorfer Landgraben ein Neubaugebiet entstehen. Das will der Bund Naturschutz durch eine Klage verhindern.
Außerdem sieht der BN bei den Plänen den Arten- und Natur- und Gewässerschutz nicht richtig berücksichtigt. Wie sehr das Baugebiet in einem Jahrhunderthochwassergebiet liegt: Da unterscheiden sich die Aufassung der Stadt und des Bund Naturschutz. Der Bauernverband übt Kritik an den aktuellen Umplanungen der Grundstücke. Das baue bei den Eigentümern eine Drohkulisse zur Enteignung auf.
Diesen multibel betroffenen Betriebe sind im ohnehin engen Wirtschaftsraum des Städtedreiecks Nürnberg – Fürth – Erlangen fast gar nicht in der Lage derartige Flächen- und Eigentumsverluste auszugeichen. – Jochen Loy
Die Kritik will Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich nicht stehen lassen. Seit 2017 stehe die Stadt mit den Betroffenen im Austausch. 2023 habe Stadt mit parteiübergreifender, großer Mehrheit für die Bebauung bei gleichzeitigem Erhalt des Knoblauchslands gestimmt.
[sc. Der] Rahmen sind dabei die ebenfalls 2017 erlassenen „Leitlinien“, die etwa 1.900 ha (!) Land dauerhaft als landwirtschaftliche Flächen sichern, während etwa 65 ha für bauliche Entwicklungen vorgesehen wurden. – Daniel Ulrich
Laut Pestel-Institut fehlen in der Stadt knapp 10.000 Wohnungen. Mehrere Tausend weitere stehen leer. Die Folge: Der Quadratmeterpreise steigen. Die Durchschnittmiete beträgt laut Stadt im Schnitt 9,65 Euro, Kaufpreise etwa 4.500 Euro. Darauf will die Stadt reagieren.
[…] Von den etwa 20.000 Wohnungen, die seit 2017 in Nürnberg genehmigt wurden, liegen keine 5% im Knoblauchsland. – Daniel Ulrich
Indes werden in Wetzendorf Baugenehmigungen erteilt. Dennoch will der Bund Naturschutz das Verfahren anstrengen.
Der Eilantrag kann mehrere Monate dauen. Die trügerische Ruhe im Knoblauchsland wird also noch ein wenig anhalten.