Am 08. Mai 2025 wurde an den 80. Jahrestag nach Ende des zweiten Weltkriegs erinnert. Es gibt aber nach wie vor noch einiges aufzuarbeiten. In der Stadtbibliothek Nürnberg lagern noch 9000 Schriften nach aktuellem Stand als NS-Raubgut. Die Arbeit an der Sammlung der israelitischen Kultusgemeinde wurde jetzt offiziell vorgestellt. Der 78- jährige Leibl Rosenberg hat sich die Provenienzforschung und Restitution zur Aufgabe gemacht. Er erforscht die ursprünglichen Eigentümer der Bücher, um sie dann zurück geben zu können.
Das Buch: „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit” gehörte einst Henryk Henoch Langnas. Während der Zeit im Nationalsozialismus wurde es ihm geraubt. Heute hält es erstmals sein Nachfahre in den Händen – der Rabbiner Steven Langnas.
In der Stadtbibliothek lagern über 9000 Schriften, die während der NS-Zeit jüdischen Familien geraubt wurden. Die Sammlung geht auf die Redaktionsbibliothek der antisemitischen Zeitung “Der Stürmer” und aus der Privatbibliothek ihres Herausgebers Julius Streicher zurück. Mittlerweile gehören die Bücher der Israelitischen Kultusgemeinde. Seit 1998 betreibt Leibl Rosenberg Provenienzforschung, also der Erforschung der ursprünglichen Eigentümer von NS-Raubgut. Er weiß die Genres der Bücher könnten nicht unterschiedlicher sein.
Über 3.600 solcher Provenienzen hat der 78-jährige Detektiv bereits gefunden. Das sind Einträge über die Herkunft des Buches. Über 2000 Vorbesitzer hat er ausfindig gemacht und schon 1120 Bücher konnte er in 19 Ländern weltweit zurückgeben. Für den Nürnberger selbst ist dieser Moment immer ein ganz besonderer.
Nürnberg hat sich 1998 zur Washingtoner Erklärung bekannt. Damit verpflichtet sich die Stadt, NS-Raubgut nicht zu verwahren, sondern zurückzugeben. Für Rosenberg ist das keine formale Pflicht, er sieht es mehr als moralische und ethische Aufgabe.
Der Nürnberger Detektiv ist überzeugt, dass Bücher ein Stück leben sind. Auch der Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg Steven Langnas sieht das ähnlich. Viele Juden konnten ihre Großeltern oder andere enge Verwandte nie kennenlernen, weil sie ermordet wurden.
Für Steven Langnas ein Stück Erinnerung, für Leibl Rosenberg ein weiterer Schritt gegen das Vergessen. Der Historiker wünscht sich für die Zukunft: Was einem nicht gehört sollte man zurückgeben. So will er auch auf jeden Fall noch viele der 9000 Schriften dahin zurückbringen, wo sie herkommen.