Wie konnte aus einer Demokratie eine Diktatur werden? Erinnerungskultur soll helfen, die Mechanismen von Propaganda und Ausgrenzung zu verstehen – und unsere Demokratie zu schützen. Doch die AfD fordert, die deutsche Erinnerungskultur neu auszurichten und aus ihrer Sicht positive Kapitel der Geschichte stärker hervorzuheben. In einer Zeit in der Spaltung, Hass und Hetze immer spürbarer werden. Das Dokumentationszentrum in Nürnberg will dagegen Erinnerungsarbeit leisten. Heute wurde die neue Dauerausstellung „Nürnberg und die Reichsparteitage“ offiziell eröffnet.
Musik von Erwin Schulhoff und Paul Hindemith. Beide Komponisten wurden von den Nationalsozialisten als „entartete Musik“ verfemt. Heute spielen Nürnberger Musikerinnen und Musiker in der einstigen Propagandakulisse ihre Stücke. 25 Jahre nach der Eröffnung wird das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände heute wiedereröffnet. Für den früheren Bundespräsidenten Christan Wulff sind solche Erinnerungsorte aktueller denn je. Früher kamen jährlich rund 300.000 Besucher – geplant war das Dokumentationszentrum für 100.000. Jetzt bietet die neue Ausstellung 1.600 Quadratmeter neue Forschungserkenntnisse aber auch eine zeitgemäße Vermittlung an. Im Probebetrieb seit Mai wurde vor allem die neue Technik getestet aber nicht nur.
In Nürnberg inszenierten die Nazis ihre Reichsparteitage vor Hunderttausenden. Hier wurden 1935 die antisemitischen Nürnberger Gesetze verabschiedet. Die Kongresshalle sollte 50.000 Menschen fassen. Nach dem Krieg wurde die NS-Vergangenheit lange verdrängt. Mit dem Dokuzentrum will sich Nürnberg seiner historischen Verantwortung stellen. Aktuell scheint diese Aufgabe schwieriger denn je. Deshalb will die neue Dauerausstellung „Nürnberg und die Reichsparteitage“ Geschichte da erlebbar machen, wo sie passiert. Denn Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit. Antisemitismus ist auch heute Realität. Rund 25 Millionen Euro wurden investiert. So soll die Kongresshalle ein lebendiger Erinnerungsort bleiben.