Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen in Deutschland weiter zu. Über 112.000 Zehn- bis 19-Jährige mussten zuletzt deshalb im Krankenhaus behandelt werden – und die Zahlen steigen weiter. Viele Kinder- und Jugendpsychiatrien kommen dabei an ihre Grenzen. Wartezeiten von mehreren Monaten auf einen Therapieplatz sind inzwischen keine Ausnahme mehr.
Die Kinderpsychiatrie im Uniklinikum Erlangen. Hier können bis zu 85 Kinder und Jugendliche zwischen 1 und 18 Jahren behandelt werden. Doch die Nachfrage ist so groß, dass für 2026 schon jetzt keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufgenommen werden können. Der Bedarf wächst – die Angebote bleiben gleich. Kommissarischer Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Oliver Kratz, beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und sieht dafür einen klaren Auslöser.
Behandelt werden in Erlangen vor allem Essstörungen, Aggressionsprobleme und ADHS. Neben klassischen Gesprächstherapien setzt man hier auch auf Musik-, Ergo- und Spieltherapie, um die Kinder möglichst individuell zu unterstützen.
Nach den offiziellen Zahlen sind Mädchen häufiger betroffen als Jungs. Laut Einschätzung von Prof. Dr. Kratz verbergen jedoch Jungs ihre Probleme oft besser, während Mädchen eher darüber sprechen. Umso wichtiger sei es, Warnsignale früh zu erkennen und schnell zu handeln.
Trotz allem gibt es auch Hoffnung: Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung stehen bei Kindern sehr gut. Laut Caritas können rund 90 Prozent der jungen Patientinnen und Patienten nach ein bis zwei Jahren Therapie wieder entlassen werden.