Mit der sogenannten Aktion T4 ermordeten die Nationalsozialisten Menschen mit körperlichen und psychischen Erkrankungen. Viele Jahre bleiben die Fälle auch in der Region unter dem Mantel des Schweigens. Der Bezirk Mittelfranken macht auf diese Morde mit einer Ausstellung im Markgrafenmuseum Ansbach sichtbar. Heute begegnen Schülerinnen und Schüler aus Nürnberg dem Schicksal Opfer.
Anna Kurz kommt aus Großgründlach. Sie heiratet. Sie bekommt Kinder. Doch sie erkrankt psychisch. Mehrfach kommt sie in Kliniken. 1927 wird sie dauerhaft in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach eingewiesen. Heute verfolgen Schülerinnen und Schüler der Bertolt-Brecht-Schule aus Nürnberg ihren Lebensweg. Für die Jugendlichen wird Geschichte konkret. Sie sehen ein Foto. Lesen Dokumente. Lernen eine Frau kennen, bevor sie zum Opfer wird. 1940 wird sie nach Hartheim bei Linz deportiert und ermordet.
Die Nationalsozialisten nennen ihn „Aktion T4“. In der Berliner Tiergartenstraße 4 sitzt die Organisationszentrale. Adolf Hitler beauftragt Philipp Bouhler und seinen Begleitarzt Karl Brandt, kranke Menschen als “lebensunwertes Leben” zu töten. Mehr als 70.000 Menschen sterben, nur zwischen 1940 und 1941. Am 26. März 1945 befreien die US-Truppen eine der Tötungsanstalten Hadamar in Hessen. Sie treffen auf mehr als 500 geschwächte und ausgehungerte Patienten. Fast 15.000 Menschen werden zwischen 1941 und 1945 in Hadamar ermordet – ähnlich wie in Anna Kurz in Hartheim. Nach den Ermittlungen beginnt am 9. Dezember der Prozess gegen die Ärzte des Systems in Nürnberg. 23 Ärzte und Funktionäre stehen vor Gericht. Auch Karl Brandt. Sechzehn Angeklagte werden schuldig gesprochen. Sieben erhalten die Todesstrafe. Sieben werden freigesprochen. Auch Karl Brandt wird zum Tode verurteilt. Mehr als acht Jahrzehnte später stehen Schülerinnen und Schüler der Berthold-Brecht-Schule jetzt vor der Geschichte von Anna Kurz. Die Ausstellung im Markgrafenmuseum Ansbach ist als Sonderausstellung zu den Öffnungszeiten sehen. Bis zum 30. Oktober können für interessierte Gruppen zusätzlich Führungen und Workshops gebucht werden. Wie die Schülerinnen und Schüler erfahren von Schicksalen, wie dem von Anna Kurz.