Im Fußball gilt der Grundsatz: Wird nach dem Spiel nicht über den Schiedsrichter gesprochen, hat er alles richtig gemacht. Im Sport reden wird heute aus gegebenem Anlass aber trotzdem über einen, der seine Karriere nun beendet hat.
Seine Bundesliga-Premiere feierte Deniz Aytekin am 27. September 2008 bei der Partie Hertha BSC gegen Energie Cottbus. Insgesamt leitete der DFB-Schiedsrichter 254 Bundesliga-Spiele, verteilte über 900 gelbe Karten, nahm an der EM 2012 teil und pfiff das DFB-Pokal-Finale 2017. Deniz Aytekin hat in seiner Karriere viel erlebt. In diesem Sommer hat er seine Pfeife nun an den Nagel gehängt – nicht aber, bevor er zu seinen Wurzeln als Schiedsrichter zurückgekehrt war.
Hier hat alles begonnen: Auf dem Sportgelände in Weilersbach. Vor 29 Jahren leitete Deniz Aytekin erstmals das Derby zwischen dem SV Weilersbach und dem TSV Kirchehrenbach. Damals noch in der Bezirksliga, heute ein Spiel für den guten Zweck. Nur eines von vielen Highlights in seiner Karriere.
Der viermalige Schiedsrichter des Jahres – zuletzt wieder vom DFB ausgezeichnet – wird aber nicht alles am Profisport vermissen.
Ganz so professionell läuft es am Sonntag vor 1.850 Zuschauern in Weilersbach nicht ab. Viele waren gekommen, um den gebürtigen Nürnberger noch ein letztes Mal an der Pfeife zu sehen. Auch die Spieler von Aytekins erstem Derby, die sich einen etwas anderen Videobeweis haben einfallen lassen.
Dabei wäre es fast nicht zu Aytekins letztem Pfiff gekommen.
Aytekins Pfeife musste dann gar nicht bis zum Ende durchhalten. Nach 70 Minuten wechselte er sich selbst aus und ließ den erst 15-jährigen Karl Schwing die Partie leiten. Ein symbolischer Akt, denn die nächste Generation soll nun Verantwortung übernehmen.
Eine große Schiedsrichter-Karriere ist nun endgültig vorbei. Davon hat die gesamte Republik Notiz genommen. Das Derby-Ergebnis – ein 3:1-Sieg für Weilersbach – allenfalls eine Randnotiz.