Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sollen möglichst selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – dabei unterstützt die Eingliederungshilfe, die im Sozialgesetzbuch geregelt ist. Ein möglicher Weg ist das Persönliche Budget. Hier können Betroffene ihre Hilfen selbst organisieren. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel einer Frau aus Zirndorf, die es raus aus Sucht und Depression geschafft hat.
Nach Sucht, Depression und Missbrauch in der Kindheit war das Persönliche Budget für Roswita Steffan wie ein Neuanfang. Statt vorgegebener Hilfsangebote kann sie dabei selbst entscheiden, welche Unterstützung sie benötigt und von wem sie diese erhält. Möglich macht das eine Leistung der Eingliederungshilfe. Das Persönliche Budget wurde bereits 2001 eingeführt, seit 2008 besteht darauf ein Rechtsanspruch. Die finanziellen Mittel stellt der Bezirk zur Verfügung. Die Budgetnehmer können anschließend selbst entscheiden, wie sie ihre Unterstützung organisieren.
Im Fall von Roswita Steffan übernimmt diese Aufgabe Sozialpädagogin Jana Schwarzer. Sie unterstützt bei schwierigen Alltagssituationen, hilft bei Behördenangelegenheiten oder führt Gespräche, wenn Herausforderungen bewältigt werden müssen.
Jana Schwarzer, Dipl.-Sozialpädagogin (FH), vom Verein Persönliches Budget e.V.
Persönliches Budget hat das Hauptziel, dass ein Mensch eigenverantwortlich und selbstbestimmt in seinen vier Wänden leben kann und nicht in eine Einrichtung muss.
Hilfe für inzwischen hunderte Menschen
Anders als bei klassischen Hilfsangeboten stehen beim Persönlichen Budget die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt. Ziel ist es, ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken.
Seit inzwischen 15 Jahren begleitet der Verein PB Plus Menschen in ganz Mittelfranken. Gegründet wurde er von selbstständig arbeitenden Fachkräften aus dem sozialen Bereich. Mittlerweile nehmen rund 250 Budgetnehmer die Unterstützung des Vereins in Anspruch. In Fürth arbeiten aktuell neun Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen für PB Plus, mittelfrankenweit sind es rund 40 Fachkräfte. Die individuelle Hilfe kommt an. Roswita Steffan hat sich Schritt für Schritt ein neues Leben aufgebaut. Heute kann sie offen über ihre Vergangenheit sprechen. Besonders wichtig sind ihr ihre beiden Töchter und ihre drei Enkelsöhne – und die Freiheit, ihr Leben wieder selbst gestalten zu können.
Für Roswita Steffan ist genau das gelungen: ein selbstbestimmtes Leben trotz aller Herausforderungen der Vergangenheit.