Integration ist in Deutschland seit der Flüchtlingskrise ein zentrales Thema. Wie gelingt es, Hunderttausenden Menschen unsere Kultur – vor allem aber unsere Sprache – näherzubringen? Denn Sprache ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein selbstständiges und erfolgreiches Leben in Deutschland. Große Hoffnung setzen viele dabei in Sprachkurse. Doch genau hier soll nun bundesweit gespart werden. Ab Februar werden Fördergelder gekürzt – die Bundesregierung setzt einen Sparkurs statt auf Sprachkurs.
Leere Klassenzimmer und fehlende Teilnehmende – das könnte bald Realität werden. Für viele kam die Entscheidung überraschend: Neu angemeldete Geflüchtete müssen ihre Deutschkurse künftig selbst finanzieren. Eine Entscheidung, die bei Betroffenen und Bildungsträgern für Entsetzen sorgt. Über 2.000 Euro kostet ein Sprachkurs von Niveau A1 bis B1. Für viele Menschen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, ist das kaum bezahlbar.
Rund 130.000 Geflüchtete in ganz Deutschland sind von der neuen Regelung betroffen. Hintergrund sind Sparmaßnahmen aufgrund der angespannten Haushaltslage. Weiterhin gefördert werden sogenannte Orientierungskurse, in denen Werte, Geschichte und Rechtsordnung Deutschlands vermittelt werden. Sprachunterricht ist darin jedoch nicht vorgesehen. Dabei gilt die Sprache als Schlüssel zum Arbeitsmarkt – und damit zur gesellschaftlichen Integration.
In Gunzenhausen lernen pro Klasse rund 20 Menschen gemeinsam. Viele von ihnen kommen aus der Ukraine. Die Lernbereitschaft ist hoch, die Ziele sind klar: arbeiten, unabhängig sein, dazugehören.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verteidigt die neue Regelung. Nach eigener Einschätzung könne dadurch die Qualität der einzelnen Kurse verbessert werden – insbesondere für Ausländerinnen und Ausländer mit dauerhafter Bleibeperspektive in Deutschland. Welche Folgen die Entscheidung konkret haben wird, wird sich erst mit der Zeit beurteilen lassen.