Alles wird immer teurer: Lebensmittel, Mieten und Energie. Viele Beschäftigte sagen, dass die Lohnsteigerungen diese Mehrkosten kaum noch ausgleichen können. Genau vor diesem Hintergrund laufen die aktuellen Tarifverhandlungen im Einzel- und Großhandel.
Seit Mai verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaft über die neuen Tarifverträge. Rund 130 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Handelsbetrieben der Region sind heute in Erlangen zusammengekommen, um ihren Forderungen nach fairen und gerechten Löhnen Nachdruck zu verleihen.
Darunter auch Sara D’Alessio-Milovski. Als Betriebsrätin bei einer Modekette in Erlangen spricht sie stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen. Viele Beschäftigte würden sich mehr Geld wünschen, weil sie ihren Lebensunterhalt zunehmend schwerer bestreiten könnten. Besonders die gestiegenen Spritpreise und die Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen zum Mindestlohn würden die Situation verschärfen. Die Beschäftigten fühlen sich mit ihren Belastungen nicht ausreichend gesehen und empfinden das Scheitern der bisherigen Verhandlungen als enttäuschend.
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert, dass das Angebot der Arbeitgeber nicht ausreiche, um den Verlust an Kaufkraft durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Im Einzelhandel fordert ver.di 222 Euro mehr Lohn und Gehalt, 150 Euro mehr für Auszubildende, eine Laufzeit von zwölf Monaten sowie mindestens 14,90 Euro pro Stunde für die unteren Beschäftigtengruppen. Im Großhandel fordert die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Lohn, da sich dort die Gehaltsstrukturen unterscheiden.
Die Arbeitgeber bieten deutlich weniger und verweisen unter anderem auf gestiegene Kosten für Unternehmen. Ver.di hält dagegen: Auch die Unternehmen würden ihre höheren Kosten über die Preise für Waren und Produkte weitergeben. Die Beschäftigten und Kundinnen und Kunden würden diese Preissteigerungen schließlich ebenfalls spüren.
Beim Thema Kompromiss sieht die Gewerkschaft aktuell noch keine Annäherung. Ver.di kritisiert, dass die Arbeitgeberseite die Verhandlungen abgebrochen habe und deshalb aus Sicht der Gewerkschaft derzeit keine Grundlage für eine Einigung bestehe.
Auch innerhalb der Betriebe wächst die Unterstützung für den Protest. Beschäftigte berichten, dass sie als Teams zusammenhalten und auch für Kolleginnen und Kollegen streiken, die die finanziellen Belastungen besonders spüren. Ihnen sei bewusst, dass Streiks Auswirkungen haben können – gleichzeitig sehen sie darin die einzige Möglichkeit, Bewegung in die Verhandlungen zu bringen.
Die Tarifverhandlungen sollen weitergehen. Sollte es keine Annäherung geben, kündigt die Gewerkschaft weitere Proteste an. Bereits am Mittwoch ist der nächste Streik geplant. Für die Beschäftigten geht es dabei nicht nur um höhere Löhne, sondern auch um mehr Anerkennung für ihre tägliche Arbeit.