Der Fall des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist ein prominentes Beispiel dafür, dass unabhängige Gerichte und faire Verfahren auch heute keine Selbstverständlichkeit sind. In autoritären Systemen sollen Gerichte durch Urteile die Macht des Systems sichern. So wurden auch im Dritten Reich politische Gegner durch den Volksgerichtshof verurteilt. Das Memorium Nürnberger Prozesse zeigt in einer Ausstellung, wie die Gerichte im Dritten Reich ihre Unabhängigkeit verloren.
Einschüchterung statt fairer Verfahren und laute Schreie statt Rechtsstaat. Der Volksgerichtshof war eines der wichtigsten Terrorinstrumente des NS-Regimes. Die Ausstellung „Terror durch Recht“ der Stiftung Topographie des Terrors im Cube 600 des Memoriums Nürnberger Prozesse zeigt, wie Recht zur Waffe der Diktatur wurde. 1934 nimmt der Volksgerichtshof seine Arbeit auf. Zunächst hält er sich an das geltende Recht. Doch dann entwickeln sich die Verfahren zu Schauprozessen. Insgesamt werden mehr als 16.000 Menschen angeklagt. Ab 1942 endet jeder zweite Prozess mit einem Todesurteil. Die Ausstellung zeigt allerdings nicht nur die Täter. Sie erinnert auch an die Opfer, wie die Anhängerinnen und Anhänger der Weißen Rose mit den Geschwistern Scholl oder auch die Gruppe um Stauffenberg.
Die Ausstellung befindet sich dort, wo die Verbrechen der Nationalsozialisten aufgearbeitet wurden. Im Rahmen der zwölf Nachfolgeprozesse stehen neben Ärzten und Industriellen des Dritten Reiches auch 16 Juristen vor Gericht. Sie bekommen ein Verfahren, das sie ihren Angeklagten verwehrt haben. Viele Urteile wurden später von deutschen Gerichten abgemildert oder gar aufgehoben. Beteiligte und ihre Taten wurden erst in den Protesten der 60er Jahre öffentlich. Die kostenlose Ausstellung „Terror durch Recht“ erzählt auch diese Geschichte. Sie befindet sich im Nürnberger Cube 600 noch bis zum 23. September.