Das größte und modernste Bad Deutschlands: Diesen Ruf hatte das Nürnberger Volksbad im Eröffnungsjahr 1914. Gebaut wurde es nicht zur luxuriösen Freizeitgestaltung – sondern aus hygienischen Gründen. In den Arbeiterquartieren herrschten um diese Zeit katastrophale Zustände. Die Ausstattung des neuen Volksbads: Topmodern. Eine schicke Eingangshalle und ganze drei Schwimmhallen.
Eine Zeitlang florierte das neue Bad. Dann kamen Kriege und Zerstörung. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Glanzzeit des Volksbads endgültig vorbei. 1993 schließt es seine Türen – nach einer äußerst knappen Stadtratsentscheidung.
Es folgen viele Nutzungsideen, und ein großer Traum: Das Volksbad soll saniert werden und wieder eröffnen. Im Februar 2016 werden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt. Die Sanierung: machbar. Die Kosten: geschätzt auf knapp unter 50 Millionen Euro.
Im September 2021 ist das Projektteam Volksbad dann bereit für den Start der Sanierungsarbeiten. Die Kosten: Gestiegen auf 55 Millionen Euro. Die Vision bleibt. Führungen durch das Volksbad werden angeboten – ein letzter Blick in das historische Gebäude, wie es einmal war. Dann beginnen die Aufräumarbeiten. Zwei Jahre später – im Oktober 2023 – wird das Richtfest gefeiert. Das Großprojekt nimmt Form an.
Ein Einblick hinter die Fassade: Im April 2024 laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Etage für Etage wird hier aufeinandergesetzt – unter anderem am neuen Lehrschwimmbecken. Rund 40 verschiedene Gewerke arbeiten auf der Baustelle. Auch wenn alles weitestgehend nach Plan verläuft, gibt es laut Projektleiter Joachim Lächele Herausforderungen. Dazu zählt die Dachkonstruktion: acht Gebäudeteile – also acht Dächer – müssen zu einem vereint werden.
Das neue Eröffnungsdatum zu diesem Zeitpunkt: Mitte 2025. Doch das Datum wird ein Wunschtraum bleiben. In der Zwischenzeit beschäftigen sich die Verantwortlichen auch mit den schönen Dingen: Der Ausgestaltung des Kinderbereichs. Die neue Wasserlandschaft soll am Ende nicht nur Spaß bieten, sondern auch dazu anregen, sich kreativ mit dem Element Wasser auseinander zu setzen.
März 2025: Immer noch Bauarbeiten im Volksbad. Es gab Probleme bei den Verputzarbeiten. Eine neue Firma musste erst gefunden werden. Im August bremst die Ferienzeit die Arbeiten – dennoch geht es an vielen Stellen voran. In der Halle eins ist das Becken so weit, dass bald der Fliesenleger kommen kann. Außerdem bereiten die Handwerkerinnen und Handwerker die Fassade für die Steinverkleidung vor.
Im Oktober 2025 liegt die Aufmerksamkeit dann auf dem historischen Volksbad-Turm. Er wurde im zweiten Weltkrieg zerbombt und dann nicht mehr vollständig in Stand gesetzt. Mehr als 80 Jahre später steht er wieder. Die Kosten für den Turm liegen bei zusätzlichen 1,7 Millionen Euro. Geld, das unter anderem durch eine Spendenaktion gesammelt wurde. Wer spendet bekommt eine Turmpatenschaft.
Eröffnen soll das neue alte Volksbad jetzt im Herbst 2026. Hinter der zunächst unscheinbaren Fassade steckt ein echtes Juwel – das der Stadt jede Menge Arbeit, aber hoffentlich bald auch jede Menge Freude bereitet.