Bereits im Vorfeld war über verschiedene Social-Media-Kanäle zu einer größeren Menschenansammlung anlässlich des „Schanzenfestes“ aufgerufen worden. Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hatte der Markt Emskirchen die bestehende Allgemeinverfügung erneuert. Diese untersagte unter anderem Ansammlungen von mehr als acht Personen.
Ab den Mittagsstunden versammelten sich zahlreiche Menschen im Bereich und Umfeld eines Supermarktes in Emskirchen. Anschließend zogen viele von ihnen zu Fuß in Richtung Altschauerberg. Am Ortsrand kamen aus verschiedenen Richtungen schließlich bis zu rund 3500 Menschen zusammen.
Unter der Leitung der Polizeiinspektion Neustadt an der Aisch waren zahlreiche Einsatzkräfte der Bayerischen Bereitschaftspolizei, des USK Mittelfranken sowie der Reiter- und Hundestaffel vor Ort. Sie verhinderten, dass insbesondere junge, überwiegend männliche Teilnehmer in den Gemeindeteil Altschauerberg vordringen konnten.
Im Verlauf des Einsatzes kam es laut Polizei zu Beleidigungen, Widerstandshandlungen und tätlichen Angriffen auf Einsatzkräfte. Beteiligte warfen zudem Böller in Richtung von Polizeipferden und griffen diese an. Mehrere Personen wurden festgenommen oder in Gewahrsam genommen. In einzelnen Fällen setzten die Beamten unmittelbaren Zwang ein.
Auch in angrenzenden Waldstücken wurden mehrfach Böller gezündet. Wegen der hohen Temperaturen und der vorherrschenden Trockenheit bestand dadurch laut Polizei ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.
Die Polizei sprach während des gesamten Einsatzes von einer mehrheitlich sehr aggressiven Grundstimmung unter den Teilnehmern. Gegen 16:15 Uhr strömte die Mehrzahl der Anwesenden wieder ab, überwiegend in Richtung Emskirchen.
Die Polizeiinspektion Neustadt an der Aisch prüft nun, ob gegen Teilnehmer Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren eingeleitet werden.
Hintergrund des sogenannten „Schanzenfestes“ sind die Aktivitäten rund um den früheren YouTuber Rainer Winkler, bekannt als „Drachenlord“.
Winkler lebte viele Jahre in einem Wohnhaus, der sogenannten „Drachenlord-Schanze“, im Ortsteil Altschauerberg. Im Internet hatte Winkler einen offenen und heftigen Streit mit den sogenannten „Hatern“. Viele von ihnen suchten ihn immer wieder direkt vor Ort auf und provozierten ihn. Obwohl Winkler sich inzwischen aus dem Internet zurückgezogen hat und sein Haus abgerissen wurde, hält der Hype an. Viele der Schanzenfest-Teilnehmer vom Wochenende gehören einer sogenannten zweiten Generation an. Sie sind meist selbst in sozialen Medien aktiv – etwa als TikToker. Die ursprünglichen Hater sind bei den Treffen kaum noch dabei – da Winkler nicht mehr in Altschauerberg lebt.